Rhetorische Mittel - rhetorische Figuren

Die Rhetorik wie Sie heute (2011) in Schulen und Universitäten geschult wird, ist ein sich selbstrechtfertigende Wissenschaft, von der ich nicht viel halte. Dort werden Hunderte von römischen und griechischen rhetorischen Figuren (rhetorische Mittel) vorgestellt, deren Wissen Studenten aber noch lange nicht zu guten Rhetorikern macht. Ich bin sogar überzeugt, dass wenn man so akademisch an die Rhetorik herangeht, sogar verhindert wird, dass man gute Reden hält.

Ich hatte eine Studentin in einem meiner Rhetorik-Seminare, die im letzten Semester Rhetorik an der Universität Tübingen studiert hatte. (Der einzige Lehrstuhl in Deutschland) Sie sagte mir: "Kein Einziger der Professoren ist rhetorisch gut, geschweige denn die Studenten. Im Studiengang Rhetorik an der Uni lernt man alles, außer gute Reden halten".

Nur zwei Rhetorische Figuren haben's in sich

Rhetorik im modernen Kleid hat andere Maßstäbe. Das ist den akademischen Rhetorikern noch nicht aufgegangen. Die einzigen zwei rhetorischen Figuren, die ich für brauchbar halte, sind die Metapher und die Anapher (Anaphora).

Die Anapher wird von berühmten Rednern immer wieder benutzt, und man kann sie auch heute systematisch einsetzen. John F. Kennedy hat sie in seiner Rede vor der Berliner Mauer 1963 benutzt: "... Sie sollen nach Berlin kommen!", war der identische Satz, den er viermal innerhalb seiner Rede wiederholte. Martin Luther King hat sie ebenfalls benutzt während seiner Rede vor 250.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial. Den Satzteil "I have a dream" hat er sieben mal hintereinander proklamiert. Und auch Barack Obama bedient sich seiner, indem er während seiner Rede acht Mal sagt: "Yes we can!".

Eine Anapher oder Anaphora ist die immer selbe Satzteil oder Satzfragment, das in einer Rede eingebaut wird. Das funktioniert, das können Sie benutzen!

Die Metapher ist die zweite rhetorische Figur, die ich systematisch einsetze. Ich bin sogar ein heißer Fan davon. Vom Begriff Metapher habe ich mich allerdings getrennt, er klingt zu verkopft und zu abstrakt. Bei mir heißt das "bildhafter Vergleich". Was die akademischen Zirkel unter Metapher lehren, ist aber etwas anderes, als ich dem Begriff abgewonnen habe. Unter einer "akademischen" Metapher wir meist nur ein "Einwort-Vergleich" verstanden.

 

Beispiele der "akademischen" Metaphern:

"der Deckmantel der Verschwiegenheit"                                              

"Der Schuhlöffel" (Weil ein Löffel ja nicht für Schuhe gemacht ist)

"Kaderschmiede"

"Baumkrone"                                                                                     

                                                                             

 

Beispiel einer Pöhm'schen Metapher (Bildhafter Vergleich)

In Indien gibt es eine ausgeklügelte Methode, wie man in ländlichen Gebieten Affen fängt. Man baut eine Kiste, in die man, durch Gitterstäbe von außen sichtbar, eine Banane legt. Die Kiste hat eine Öffnung, in die genau die Hand eines Affen durchgreifen kann. Der Affe entdeckt nun die Banane, greift hinein und will die Banane herausziehen. Das Phänomen dabei ist, dass er seine Hand zu einer Faust macht und dadurch seine Hand nicht mehr aus der Kiste heraus bekommt. Interessanterweise lässt der Affe die Banane ab jetzt nicht mehr los, er will einfach nicht mehr ohne die Banane sein und kann so von den Fallenstellern gefangen werden.

Der Affe könnte sich retten, wenn er von seinem ursprünglichen Ziel loslassen könnte. Er tut es aber nicht.

Und genauso ist es mit vielem, was Sie liebe Leser im Moment festhalten und einfach nicht loslassen wollen. Denn die Banane erscheint Ihnen so appetitlich, so unentbehrlich...

Der pure Krampfreflex des Festhaltens um des Festhalten Willens schadet Ihnen am Ende mehr, als Sie durch dieses Verhalten jemals gewinnen könnten.

 

Klingt doch anders als "die Baumkrone", oder?

 

Die von mir entwickelte Methode, wie Sie systematisch unter die Haut gehende bildhafte Vergleiche entwickeln können, ist in meinem Buch "Kontern in Bildern" beschrieben. Bestellen.

 

Nachfolgend sind die rhetorische Figuren aufgeführt, die Sie meiner Meinung nach allesamt vergessen können. Aus meiner Erfahrung kann ich Ihnen sagen: Wenn Sie die lernen ist die Chance, dass sie ein guter Redner werden kleiner geworden.

 

Rhetorische Figuren ohne Bedeutung für gutes Reden

Rhetorische Figur Definition Beispiel
Akumulation Reihungen von Begriffen zu einem - genannten oder nicht genannten - Oberbegriff Nenn´s Glück! Herz! Liebe!
Allegorie konkrete Darstellung abstrakter Begriffe, oft durch Personifikation Gott Amor für Liebe
Alliteration Wiederholung der Anfangsbuchstaben bei Wörtern Bitte ein Bit!
Anapher Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an Satz- oder Versanfängen Er schaut nicht ....Er schaut hier....
Antithese Entgegenstellung von Gedanken oder Begriffen Nicht du/ um der Liebe willen/ sondern/ um deinetwillen/ die Liebe
Apostrophe feierliche oder betonte Anrede, Anruf Du schönste Wunderblume süßer Frauen!
Assonanz  - Wer rastet, der rostet
Asyndeton Wortreihung ohne Bindwörter Er kam, sah, siegte
Polysyndeton Wortreihung mit Bindewörter Und es brauset und siedet und zischt
Chiasmus symetrische Überkreuzstellung von semantisch oder syntaktisch einander entsprechenden Satzgliedern Ich schlafe am Tag, in der Nacht wache ich.
Distribution Zerlegung des Oberbegriffes Ich habe ein Werk vollendet, das weder Jupiters Zorn, noch Feuer, noch das nagende Alter vernichten kann. (also niemand)
Ellipse unvollständiger Satz, Auslassung eines Satzgliedes/Wortes, das leicht ergänzbar ist "Was nun?" statt "Was machen wir nun?"
Emphase Heraushebung eines Begriffes Lasst uns unser Unglück als MÄNNER ertragen
Euphemismus Beschönigung eines Wortes vollschlank statt dick
Hyperbel starke Übertreibung blitzschnell, todmüde, ein Meer von Tränen
Klimax dreigliedrige Steigerung Veni, vidi, vici
Litotes Untertreibung sehr selten
Ironie unwahre Behauptung, die erkennen lässt, dass das Gegenteil gemeint ist Das hast du ja wieder mal toll hinbekommen!
Metapher Sprachliches Bild/ Bedeutungsübertragung: sprachliche Verknüpfung zweier semantischer Bereiche, die unverbunden sind Welle der Zuneigung, Baumkrone
Metonymie Ergänzung eines gebräuchlichen Wortes durch ein anderes, das zu ihm in unmittelbarer Beziehung steht, z.B. Autor für Werk, Gefäß für Inhalt, Ort für Person Das Weiße Haus macht wieder einmal Schlagzeilen
Omission Übergehung Ich brauche nicht extra zu betonen,...
Oxymoron Verbindung widersprechender Begriffe Bittersüß, schaurigsüß
Paradoxon Scheinwiderspruch Ich weiß, dass ich nichts weiß
Parallelismus Wiederholung gleicher syntaktischer Fügungen Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee
Periphrase Umschreibung eines Wortes Auge des Gesetzes (Polizei); der Allmächtige (Gott)
Personifikation Vermenschlichung die Sonne lacht, Vater Staat, Mutter Natur
Pleonasmus Wiederholung eines Begriffes mit gleichem Sinn, meist in Fremdsprache Weißer Schimmel, Düsenjet
Rhetorische Frage Scheinfrage, bei der jeder bereits die Antwort kennt Wer ist schon perfekt? Bin ich denn kein Mensch?
Synonymenhäufung / Tautologie gleiche oder ähnliche Bedeutung Preis und Ehre
Symbol Sinnbild, das über sich hinaus auf etwas Allgemeines verweist Taube als Symbol des Friedens, Ring als Symbol der Treue und Ewigkeit
Vergleich  - Stark wie ein Löwe


 

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